CHRISTIAN SCHNURER –  SINGLE STAR

KUNSTAKTION

Kunst im öffentlichen Raum Mariupol, 28. September 2019 (Fotomontage)

Eine diplomatische Künstlerreise von München nach Mariupol und zurück.

Christian Schnurer ist 1971 in Schwandorf in unmittelbarer Nähe des Eisernen Vorhangs geboren und aufgewachsen. Vor 30 Jahren verschwand er über Nacht. Europa und die Welt schienen plötzlich grenzenlos und frei. Als diese Hoffnung sich nach und nach zerschlug, machte Christian Schnurer Zustände an den europäischen Grenzen zu seinem künstlerischen Thema.

Europa im Jahr 2019 ist geprägt von Separierung und Nationalisierung. Die Bindungskraft der europäischen Gemeinschaft schwindet. Individualinteressen einzelner nationaler Bewegungen demontieren ein Projekt, das Mitteleuropa befriedet hat. Das Frieden sichernde Konzept der Kooperation und Solidarität zwischen Nachbarn ist in Gefahr, fallengelassen zu werden. Gleichzeitig zur institutionellen Krise geht eine wachsende Zahl von Proeuropäern, verteilt über den ganzen Kontinent, auf die Straße, um für den Zusammenhalt zu demonstrieren. In dieser Situation erhält das Zeichen des individualisierten gelben Sterns auf blauem Grund eine ambivalente Bedeutung.

 

Der fünfzackige Stern ist ein traditionelles politisches Zeichen, dem in dieser Farbigkeit die Radikalität verloren gegangen ist. Kann diese Transformation das Versprechen der internationalen Verständigung einlösen? Ist er ein Zeichen der maximalen Individualität und des Separatismus oder der unteilbaren Gemeinschaft und Solidarität? Welchen Bedeutungswandel erhält dieses Zeichen, wenn es aus der Europäischen Gemeinschaft exportiert wird? Wie wird das Symbol interpretiert, wenn es gehisst wird an einem Pier des Asowschen Meers? In Sichtweite des anhaltenden Krieges in der Ostukraine, der nicht zuletzt mit der Frage der Zugehörigkeit zur Europäischen Gemeinschaft verknüpft ist.

 

»Ich hoffe, dass die Fahne des ‚Single Star‘ als Zeichen einer unteilbaren Einheit verstanden wird und nicht als Zeichen der Vereinzelung. Für mich verkörpert er den gemeinsamen europäischen Kulturraum, der nicht an diesem Pier endet.« (Christian Schnurer).

 

Die diplomatische Kunstreise »Single Star« ist ein Beitrag für »Eine Brücke aus Papier 2019«, die sich mit ihrem deutsch-ukrainischen Schriftstellertreffen nach Lemberg (2015), Dnipro (2016), Charkiw (2017) und Mariupol (2018) nun in München und Berlin stattfinden wird. Christian Schnurer war schon 2015 und 2016 mit dem Projekt »Exportweltmeister“ Gast in der Ukraine. 2019 bringt er den »Einzelnen Europäischen Stern« als selbst genähte Fahne nach Mariupol, um ihn am Asowschen Meer zu hissen und dort zu belassen. Für den Rückweg fertigt der Künstler eine »Single Star« Fahne aus Ukrainischen Nationalflaggen, um sie in München und Berlin im Außenraum von »Eine Brücke aus Papier« zu installieren.

 

Christian Schnurer bringt die Reaktionen, Bilder und Filmaufnahmen zurück nach München und Berlin zum deutsch-ukrainischen Künstler- und Literatentreffen.

CHRISTIAN SCHNURER 1971 geb. in Schwandorf. 1998 Gründung der Ateliergemeinschaft Mixküche. 1993 Aufnahme an die Akademie der Bildenden Künste, München. 2000 Diplom.

 

Auszeichnungen: 2018 Kulturpreis Bayern der Bayernwerk AG, 2010 Staatspreis für Bildende Kunst der Bayerischen Staatsregierung, 2009 Stipendium Bildende Kunst der Landeshauptstadt München. 2005 Atelierförderprogramm der Stadt München, 2002 Arbeitsstipendium VCCA, Virginia, USA.

Ausstellungen (Auswahl): 2018 »Salva Vida – Sister Syria« Leo 13, München; »Space ist the Place«, Halle 6, München; 2017 14×14 Vermessung des Donauraums, Photon Galerja, Ljubljana, Slowenien Cetinje, Montenegrin Art Gallery Miodrag, Montenegro, Gradske Galerije Osijek, DEPO2015, Pilsen; 2016 »SalvaVida« Kunst im Öffentlichen Raum Lesbos – München; »Ostexport« Oberpfälzer Künstlerhaus, Schwandorf; »Ostexport« Ya Galerie, Dnipro – Dzyga Galerie Lviv, Ukraine im Rahmen von »Eine Brücke aus Papier«; »Ostexport« Museum of Contemporary Art, Banja Luka, Bosnien; 2015 »Ostexport« Goethe-Institut, Kiew; »Crescendo« Haus der Musik, Regensburg; 2014 »Luxxxus« Galerie der Künstler, München / Kunst- und Gewerbeverein, Regensburg »Rettet Europa III« Tempel Museum Etsdorf; 2013 »Heimspiel«, Oberpfälzer Künstlerhaus, Schwandorf »Transport a Smell of Revolution« Kunst i. ö. Raum, Sidi Bouzid, Tunis/München; 2012 »Drifting Edges« – Kunst und Gewerbeverein Regensburg / Atelier Frankfurt; »Steinbildhauerei« – Galerie Andreas Höhne, München; 2011 »Staatsförderpreisträger 2010« – Galerie der Künstler, München; »Argonaut-Mathilda« – Städtische Galerie Waldkraiburg; »Corpus Delicti« – Galerie Biedermann, München.

KUNSTAKTION

GEDENKPLAKETTE FÜR OLEKSANDR HNYLYTSKYI
mit der Künstlerin Lesja Zajac:
Dachauer Straße 110h, am Atelier, in dem der ­ukrainische Künstler von 1999 bis 2009 ­arbeitete.

DIENSTAG, 22. OKTOBER 2019

Beginn 16 Uhr
Ort: Halle 6, Dachauer Str. 112, 80636 München

LESJA ZAJAC – MEDIENKÜNSTLERIN
1965  geboren und aufgewachsen in der ukrainischen Diaspora in München
1984  Abschluss IN Medien-Design (Stuttgart)
1985 –1998 freischaffend in Bild & Tonschnitt (Spielfilm, Zeichentrick, Dokumentation) für zahlreiche Produktionen, national und international
1996  Gründungsmitglied der Institution of Unstable Thoughts (NGO und Künstlerkollektiv, Ukraine)
1996-2009 Kooperation mit Ehemann und Künstler Oleksandr Hnylytskyi (1961-2009) und anderen Mitgliedern der institution)
2009-2019 Nachlassverwaltung (Archiv& Sammlung), Kuratorin diverser Ausstellungsprojekte

lebt und arbeitet in Kiew (Ukraine) und München.
Genre: zeitbasierte Medien, audio-visuelle Installation, nicht-lineares Narrativ, experimentelle Animation und optische Illusion