Juri

Andruchowytsch

IWANO-FRANKIWSK

* 1960 in Iwano-Frankiwsk, wo er auch heute lebt. Schriftsteller, Lyriker, Essayist, Musiker und Übersetzer. 1985 war er Mitbegründer der legendären Perfomancegruppe Bu-Ba-Bu. Im selben Jahr debütierte er mit dem Gedichtband Himmel und Plätze. Sein auf Ukrainisch 1992 veröffentlichter erster Roman Karpatenkarneval kam 2019 erstmals in deutscher Übersetzung heraus. Viel Aufmerksamkeit erfuhr sein Essayband Das letzte Territorium (2003). Darin begründete er die »Karpatologie«, eine ironisch-nostalgische Archäologie des versunkenen Kulturraums Mitteleuropa. Nach zahlreichen weiteren, auch international übersetzten und verlegten Werken erschien 2020 auf Deutsch Die Lieblinge der Justiz: Parahistorischer Roman in acht Kapiteln (ukr.: 2017). Dem weithin gelobten Buch gelinge es tatsächlich, so ein Kritiker, »den Horror der ukrainischen Geschichte in Literatur zu verwandeln«. Für sein gesellschaftliches und schriftstellerisches Wirken erhielt Juri Andruchowytsch viele Auszeichnungen, darunter 2014 den Hannah-Arendt-Preis sowie 2016 die Goethe-Medaille. Über seine literarischen Erfolge hinaus ist er eine der wichtigsten intellektuellen Stimmen seines Landes. Dem Literaturprojekt »Eine Brücke aus Papier« ist Juri Andruchowytsch als Autor und Mitinitiator von Beginn an verbunden.