LESUNG + Gespräch
Das deutsch-ukrainische Schriftstellertreffen
auf dem 10. Internationalen Book Arsenal Festival 2021 in Kyjiw
LESUNG UND GESPRÄCH
mit dem ukrainischen Schriftsteller Juri Andruchowytsch, Verena Nolte, der Initiatorin des Projekts, und der deutschen Schriftstellerin Daniela Danz (sie wird online zugeschaltet).
FILMVORFÜHRUNG
„Nachtzug nach Mariupol“ 2018, Dokumentarfilm von Wanja Nolte
Nach einem Jahr Zwangspause wegen der Pandemie, konnte das international bekannte Buchfestival endlich wieder im weitläufigen historischen Gebäude und Garten des Mystetskyj Arsenal bei kontinentaler Sommerhitze stattfinden. Am Sonntag, 27. Juni 2021, dem letzten Tag der Buch Arsenal, stellte sich „Eine Brücke aus Papier“ in Gespräch und Lesung vor – mit dem ukrainischen Schriftsteller Juri Andruchowytsch, der aus Deutschland online zugeschalteten Dichterin Daniela Danz und Verena Nolte, der Initiatorin des Projekts, Julia Owtscharenko, langjährige Kulturmanagerin der „Brücke aus Papier“ in der Ukraine, moderierte. Als Dolmetscherin für die deutschen Teilnehmerinnen saß Tetyana Suprun mit auf dem Podium.
Das sehr aufmerksame Publikum hatte sich von der Maskenpflicht nicht abschrecken lassen und war zahlreich zu der Veranstaltung erschienen. Auch die Schriftstellerin Oksana Sabuschko gehörte zu den Gästen. Sie ist in Dnipro, Charkiw und Berlin bei den deutsch-ukrainischen Schriftstellertreffen dabei gewesen. Die deutsche Diplomatie war vertreten, die Partnerinnen des Goethe-Instituts, schließlich viele literaturbegeisterte Ukrainerinnen und Ukrainer, die gemeinsam das eineinhalbstündige Programm verfolgten. Krönender Abschluss war der Film „Nachtzug nach Mariupol“, der hier zum ersten Mal in der Ukraine und auf dem großen LED-Bildschirm im Arsenal aufgeführt wurde. Wanja Nolte hatte den Film 2018 während des vierten deutsch-ukrainischen Schriftstellertreffens in Mariupol gedreht und gemeinsam mit Juri Durkot aus Lwiw ukrainisch untertitelt.
Im Verlauf der Veranstaltung trug Daniela Danz zwei Gedichte vor: „Kaskaden der Arbeit I und II“. Sie waren nach dem Treffen von Mariupol entstanden. Juri Andruchowytsch las einen Prosatext, den er nach einem spontanen Solidaritätskonzert 2015 in Mariupol verfasst hatte. Beide tauschten sich aus über ihre Erfahrungen in der Stadt am Asowschen Meer und auch über Europa. Dabei hob Juri Andruchowytsch hervor, wie sehr er die „Brücke aus Papier“ als beispielhaftes Austauschprojekt zwischen den Literaturen versteht. Verena Nolte blickte zu den Anfängen des Projekts zurück und erzählte, wie es als Ausdruck des Protests entstanden war, zu Zeiten, als der Ukraine der noch immer anhaltende Krieg von Russland aufgezwungen und Teile ihres Territoriums völkerrechtswidrig annektiert wurden. Seither komme „Eine Brücke aus Papier“ jährlich in wechselnden Städten der Ukraine zusammen, präsentiere sich aber auch in Deutschland. Der Krieg hat die Stadt Mariupol zur Frontstadt werden lassen, ein Leid, das in den vorgetragenen Texten und im Film auf beklemmende Weise zum Ausdruck kam. In diesem Zusammenhang darf der Hinweis auf Natascha Wodins Roman „Sie kam aus Mariupol“ nicht fehlen, den Chrystyna Nazarkewytsch ins Ukrainische übertragen hat und durch den die Stadt Eingang in die deutsche Literaturgeschichte fand. Von dem Film über das Mariupol von heute sichtlich betroffen, stellte das Publikum bewegte Fragen. Die Antworten der Podiumsgäste führten zu einem direkten und lebhaften Austausch zwischen Bühne und Saal.