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Ukrainisch-deutsches Schriftsteller:innentreffen im Krieg

 

02.–04.11.2022
Klassik Stiftung Weimar
Herzogin Anna Amalia Bibliothek

Das Literatur- und Kunstprojekt EINE BRÜCKE AUS PAPIER brachte seine ukrainisch-deutschen Schriftsteller:innentreffen auf den Weg, als die Ukraine 2014 von Russland in einen Krieg gezwungen wurde, der hierzulande bald vergessen war. Aber diese Begegnungen, die wir mit wechselnden Teilnehmenden jährlich in einer anderen Stadt veranstalteten, riefen den andauernden Kriegszustand in Teilen der Ukraine immer wieder ins Bewusstsein. Die Namen der Städte, die wir nach und nach aufsuchten, verweisen heute auf die Angriffe gegen das Land und die Zerstörungen, ausgeübt durch die russische Armee: Lwiw, Iwano-Frankiwsk, Dnipro, Kyjiw, Charkiw, Mariupol. Das Treffen in Mariupol 2018 ist durch den Film „Nachtzug nach Mariupol“ von Wanja Nolte dokumentiert, abrufbar auf paperbridge.de. Nachdem die Stadt nahezu dem Erdboden gleich gemacht wurde, trägt der Film nun den Charakter eines schmerzlichen historischen Dokuments. Allerdings hatten auch schon die Texte und Vorträge vorheriger Treffen die zunehmende Anspannung und Bedrohungslage in der Ukraine zum Thema gemacht.

 

Der am 24. Februar 2022 offen ausgebrochene russische Angriffskrieg, der nicht nur die gesamte Ukraine, sondern letztlich auch Europa trifft, hat verhindert, dass „Eine Brücke aus Papier“ in diesem Jahr wie vorgesehen in Mykolajiw nahe des Schwarzen Meeres veranstaltet werden konnte. Vielmehr entstand eine Fluchtbewegung in umgekehrter Richtung, innerhalb der Ukraine und aus der Ukraine nach Westen. Unter den oft traumatisierten Geflüchteten sind Schriftsteller:innen unseres Netzwerks – häufig begleitet von ihren Kindern und deren Großmüttern. Es lag nahe, sie zusammenzurufen und hierzulande mit den deutschen und deutschsprachigen Schriftstellerinnen und Schriftstellern in Austausch zu bringen. Die in München stattfindende Veranstaltung „Mit dem Angstkoffer unterwegs“, Auftakt für die diesjährige Zusammenkunft, geht aus dieser Fluchterfahrung unmittelbar hervor. Ihr folgt ein dreitägiges „Ukrainisch-deutsches Schriftsteller:innentreffen im Krieg“, das erstmals in Weimar stattfindet – auf Einladung der Klassik Stiftung Weimar, insbesondere der Herzogin Anna Amalia Bibliothek, und in Kooperation mit dem Deutschen Literaturinstitut Leipzig.

 

Weimar genießt als Klassik-, Musik- und Universitätsstadt auch in der ukrainischen Kulturwelt großes Renommee. Die thüringische Stadt mit ihrer wechselvollen Geschichte von Klassik und klassischer Moderne über die Weimarer Republik, die NS-Diktatur mit dem KZ Buchenwald und die DDR bis zum jetzigen Selbstverständnis als Kulturstadt ist bestens geeignet als Standort für den ukrainisch-deutschen Austausch, an dem wie immer auch Historiker:innen teilnehmen. Das Themenjahr Sprache der Klassik Stiftung, das Übersetzungen als Kulturleistung miteinbezieht und die Ostmitteleuropa-Orientierung der Bibliothek bieten Anknüpfungspunkte.

 

In Weimar stellen die Schriftsteller:innen Themen und Texte vor, die ihnen der Krieg mitten in Europa abverlangte. „Schreiben im Krieg – Kriegstagebücher“, „Schreiben im Exil“, „Ukrainische Literatur und Kultur in Zeiten des Angriffskriegs“, „Ukrainische Literaturgeschichte“ – so lauten manchen Überschriften, zugleich sind Themen der deutschsprachigen Literatur zu hören, die die Problematik der Gegenwart widerspiegeln. Eine Annäherung, nicht mehr und nicht weniger, eine Brücke aus Papier.

 

Weitere Informationen folgen demnächst auf dieser Website.

Lesung und Gespräch
Mit dem Angstkoffer unterwegs –
die Freiheit der Frauen zu fliehen

 

05.10.2022
Gasteig HP8
München

19.00 bis 22.00 Uhr
Gebührenfrei, 99 Plätze (barrierefrei)

24. Februar 2022: Über Nacht fliehen Frauen und Kinder mit dem vorbereiteten Fluchtgepäck auf unsicheren Routen aus ihrem angegriffenen Land, Männer und erwachsene Söhne zurücklassend. Dies ist die momentane Lebenssituation einer Vielzahl ukrainischer Familien in Europa. Sie hinterlässt auch ihre Spuren in der aktuellen Literatur der Ukraine.
Für den Münchner Auftakt des diesjährigen ukrainisch-deutschen Schriftstellertreffens „Eine Brücke aus Papier“ berichten Kateryna Mishchenko (Kyjiw) und Natalka Sniadanko (Lwiw), die sich mittlerweile in Deutschland aufhalten, von den Auswirkungen des Krieges auf ihr Schreiben, Denken und Empfinden. Die Münchner Autorin Birgit Müller-Wieland beteiligt sich an ihrem Dialog mit neuen Ukrainegedichten.
Einführung und Moderation: Verena Nolte.

 

Die Gespräche werden auf Deutsch geführt, die Lesungen auf Ukrainisch und Deutsch.

DAS TREFFEN

EINE BRÜCKE AUS PAPIER mit ihren deutsch-ukrainischen Schriftstellertreffen gründete sich, als die Ukraine 2013/14 den Euromaidan, ein kämpferisches Bekenntnis zu Europa und zur Unabhängigkeit durchlebte, und 2014 in einen Krieg gezwungen wurde, der hierzulande lange vergessen war. Zugleich stand das Projekt für den Austausch mit Schriftsteller*innen und Künstler*innen in einem Land, von dem wir zu wenig wissen, das sich uns aber schnell öffnete. Dank der Beziehungen zu ukrainischen Schriftsteller*innen und Übersetzer*innen entwickelte sich ein intensiver Literatur- und Kulturaustausch über Sprachgrenzen hinweg. In jährlichen Treffen erfand sich die „Brücke aus Papier“ immer wieder neu. Mehrheitlich suchte sie ostukrainische Städte auf – eine von den Teilnehmenden selbst getroffene Wahl. Sie wünschten sich, mit Kultur den Alltag der Menschen, die in der Nähe des Krieges leben, zu durchbrechen und wollten erfahren, was sie bewegt. Jetzt, wo der Krieg das ganze Land ergreift, die Ukraine von Russland vernichtet werden soll, können wir nicht sprachlos bleiben. Mit Veranstaltungen in deutschen Städten wollen wir der ukrainischen Literatur zu ständiger Präsenz verhelfen. Die außerhalb ihres Landes oder, weil das Schicksal es so wollte, hier anwesenden Schriftsteller*innen sind eingeladen, bei uns zu lesen, zu sprechen und die Literatur der Ukraine weithin bekannt zu machen.

 

Der nachfolgende Film „Nachtzug nach Mariupol“ von Wanja Nolte, der das Treffen von Mariupol 2018 dokumentiert, hat jetzt die schmerzliche Bedeutung bekommen, eine Stadt abzubilden, die nach den jüngsten Kriegszerstörungen so nicht mehr existiert. Mariupol, „Die Stadt Mariens. Die Stadt der Würde. Das unglaubliche Mariupol.“ (Gedicht von Oleksandr Irwanez unter „Lektüre“ nachzulesen.)

 

2015 LWIW2016 DNIPRO \  2017 CHARKIW \ 2018 MARIUPOL2019 MÜNCHEN + BERLIN \ 2020 IWANO-FRANKIWSK + BERLIN

DER FILM »Nachtzug nach Mariupol«

DAS TREFFEN VON MARIUPOL 2018

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www.vimeo.com/304623466/e6dd0421ab

 

Zur ukrainisch untertitelten Fassung hier

Live-Stream: Paperbridge Circle 2020

Aus den Live-Streams der zwei Tage des „Paperbridge Circle 2020“ in Iwano-Frankiwsk und Berlin wurden zwei Videos geschnitten, die hier nun, auf Deutsch und auf Ukrainisch, jederzeit für alle abrufbar sind. Sie können hineinhören und -schauen in die Lesungen, Vorträge und Gespräche. Die vier Exkursionen, zwei in jeder Stadt, sind filmisch festgehalten und in die Videos der Live-Streams integriert. Schön war es, dass sich Menschen, wenn auch auf Abstand, begegnen konnten. Der literarische Zirkel und eine gleichermaßen kreative technisch-gestalterische Crew fanden in diesem Experiment auf jeder Seite des Kreises zusammen. Aber sehen Sie selbst:

Das Programm dazu finden Sie hier.

 

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Plötzlich werde es eine
zweite Brücke geben,
nicht aus Eisen, nicht aus Stein,
nicht einmal aus Holz.
Nein aus Papier, jawohl:
aus Zigarettenpapier.

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MANÈS SPERBER

FÖRDERER

auswaertigesamt

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